Wie betest du, wenn du nicht mehr weißt, was du tun sollst? 🙏 Die Lektion Joschafats
Petru:
In der letzten Episode haben wir versprochen, dass wir auf eines der wichtigsten Themen im Leben eines Gläubigen zurückkommen, nämlich auf das Gebet.
Im Laufe der Zeit wurden unzählige Bücher über das Gebet geschrieben, Konferenzen gehalten, Predigten verkündigt und viele praktische Ratschläge gegeben.
Trotzdem fragen sich viele Menschen weiterhin, ob sie so beten, wie sie sollten, und ob sie wirklich verstanden haben, was es bedeutet, vor Gott zu stehen.
Die Fragen sind nicht wenige und auch nicht unwichtig. Wo soll ich beten? Gibt es einen Ort, an dem das Gebet eine besondere Bedeutung hat? Wie soll ich beten, wenn ich die passenden Worte nicht mehr finde?
Zählt es, wie viel Zeit ich im Gebet verbringe, oder zählt mehr, wie ich mich Gott nähere? Was soll ich Ihm sagen, wenn ich vor Ihn komme? Hört Gott jedes Gebet, oder gibt es einen Unterschied zwischen dem bloßen Aussprechen von Worten und echter Gemeinschaft mit Ihm?
All diese Fragen sind sehr real, und auf die eine oder andere Weise hat sich jeder von uns schon einmal mit ihnen auseinandergesetzt.
Darum werden wir die Antworten nicht in menschlichen Erfahrungen suchen und auch nicht in den Traditionen, die wir im Laufe der Zeit übernommen haben.
Wir werden die Schrift öffnen und gemeinsam auf das Gebet Joschafats aus 2. Chronik, Kapitel 20, Verse 3 bis 12, schauen.
Wir nähern uns diesem Text nicht mit dem Gedanken, dass wir hier das einzige Gebetsmodell finden, das die Bibel uns gibt.
Das vollkommene Vorbild bleibt der Herr Jesus Christus, der uns nicht nur gelehrt hat, wie wir beten sollen, sondern der selbst ein Leben des Gebets in völliger Gemeinschaft mit dem Vater geführt hat.
Und doch schenkt uns das Gebet Joschafats ein konkretes Beispiel eines Menschen, der sich in einer ausweglosen Situation Gott näherte und sein Herz vor Ihm ausschüttete.
Gerade deshalb wollen wir gemeinsam einige biblische Prinzipien entdecken, die wir in diesem Gebet finden und die auch uns helfen können, wenn wir in Momente kommen, in denen wir nicht mehr wissen, was wir tun sollen.
Wir suchen keine Formel, die eine Antwort Gottes garantiert, und wir versuchen auch nicht, das Gebet in ein Regelwerk zu verwandeln.
Wir schauen darauf, wie sich ein Mensch Gottes mitten in einer Krise dem Herrn näherte, und wir versuchen zu verstehen, was wir aus dieser Erfahrung für unser Glaubensleben lernen können.
1. Das Gebet beginnt mit der Suche nach Gott
Tati:
Das Erste, was wir in diesem Bericht beobachten, ist, dass das Gebet Joschafats nicht erst mit dem ersten Wort beginnt, das er ausspricht.
Eigentlich zeigt uns die Schrift, bevor der König Gott überhaupt etwas sagt, welche Richtung sein Herz bereits eingeschlagen hatte.
„In seiner Angst richtete Joschafat sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen, und ließ in ganz Juda ein Fasten ausrufen.“
Beachtet die Reihenfolge der Ereignisse. Zuerst sehen wir Joschafat, wie er Gott sucht, und erst danach hören wir ihn beten.
Dieses Detail ist sehr wichtig, denn es zeigt uns, dass wahres Gebet lange beginnt, bevor der Mensch seinen Mund öffnet.
Es beginnt in dem Moment, in dem sich das Herz Gott zuwendet.
Oft verwechseln wir Gebet mit dem bloßen Aussprechen einiger Worte.
Wir haben den Eindruck, dass wir gebetet haben, wenn wir ein paar Sätze gesagt oder bestimmte Ausdrücke wiederholt haben.
Doch die Schrift zeigt uns, dass Gebet nicht mit dem Reden beginnt, sondern mit der Suche nach Gott.
Bevor Joschafat Gott um etwas bittet, sucht er Ihn. Bevor er Ihm das Problem vorlegt, richtet er sein Angesicht auf den Herrn.
Hier sollte jeder von uns für einige Augenblicke stehen bleiben und sich eine ehrliche Frage stellen.
Wenn ich bete, suche ich wirklich Gott, oder suche ich nur die Lösung meiner Probleme?
Komme ich vor Ihn, weil ich Ihn selbst begehre, oder nur, weil ich Seine Hilfe brauche?
Leider besteht die Gefahr, dass wir uns daran gewöhnen, mit Gott zu reden, ohne Ihn wirklich zu suchen.
Wir wünschen uns Antworten, wir wünschen uns Segen, wir wünschen uns Befreiung, doch wir vergessen, dass wir vor allem dazu gerufen sind, Den zu suchen, der all diese Dinge geben kann.
Gott möchte nicht nur unsere Probleme lösen, sondern Er möchte Gemeinschaft mit uns haben.
Der Bericht sagt weiter, dass Joschafat ein Fasten für ganz Juda ausrief.
Das Fasten war kein Mittel, durch das der Mensch Gott zwingen konnte einzugreifen, und auch keine Methode, mit der er versuchte, Gott zu beeindrucken.
Es war der Ausdruck eines Herzens, das die Schwere der Situation verstand und sich Gott mit ganzer Ernsthaftigkeit nähern wollte.
Durch das Fasten erkennt Joschafat an, dass die Antwort nicht in der Kraft der Menschen liegt, sondern in der Hand Gottes.
Ich glaube, das ist die erste Lektion, die wir über das Gebet lernen müssen.
Gott sucht keine Menschen, die nur wissen, wie man schön vor Ihm spricht.
Er sucht Menschen, die Ihn von ganzem Herzen suchen.
Wenn die Suche nach Gott zu unserer Priorität wird, hört das Gebet auf, nur eine religiöse Pflicht zu sein, und wird zu einer lebendigen Begegnung zwischen einem Kind und seinem himmlischen Vater.
2. Wo du betest, zählt mehr, als manche denken
Mami:
Nachdem Joschafat sein Angesicht darauf richtet, Gott zu suchen, und ein Fasten für ganz Juda ausruft, macht er den nächsten Schritt.
Die Schrift sagt:
„Joschafat trat in die Versammlung Judas und Jerusalems, im Haus des Herrn, vor den neuen Vorhof.“
Auch das verdient unsere Aufmerksamkeit.
In einem Moment der Krise isoliert sich Joschafat nicht und versucht auch nicht, die Last, die er trägt, allein zu tragen.
Er geht dorthin, wo das Volk Gottes vor dem Herrn versammelt war.
Wenn wir durch Prüfungen gehen, ist der erste Impuls oft, uns zurückzuziehen.
Manche leiden im Stillen, überzeugt davon, dass niemand sie verstehen kann.
Andere entfernen sich sogar von der Gemeinschaft mit den Geschwistern, gerade in der Zeit, in der sie sie am meisten brauchen würden.
Joschafat wählte genau das Gegenteil.
Er rief die Menschen zusammen vor Gott.
Tati:
Hier entsteht eine sehr praktische Frage: Wo beten wir?
Die Schrift lehrt uns, dass jeder Gläubige das persönliche Gebet braucht.
Der Herr Jesus spricht von der Kammer, von dem Ort, an dem wir allein vor dem Vater bleiben.
Dort wird die persönliche Beziehung zu Gott gebaut.
Nichts kann diese Momente ersetzen, in denen nur wir und der Herr da sind.
Gleichzeitig zeigt uns die Bibel auch die Schönheit des Gebets, das gemeinsam mit dem Volk Gottes geschieht.
In der Apostelgeschichte sehen wir die Gläubigen im Gebet versammelt, und Gott wirkt auf besondere Weise in ihrer Mitte.
Nicht, weil Gott das Gebet eines Menschen, der allein in seiner Kammer ist, weniger hören würde, sondern weil Er auch die Gemeinschaft der Gemeinde als Ort der Erbauung, Ermutigung und gegenseitigen Unterstützung eingesetzt hat.
Ich glaube, jeder von uns hat das schon erlebt.
Du kannst zu Hause beten, und das ist gut.
Du kannst im Auto beten, auf dem Weg zur Arbeit, und Gott hört dich.
Du kannst überall beten, denn Gott ist nicht an einen Ort gebunden.
Und doch gibt es etwas Besonderes, wenn das Volk Gottes vor Ihm zusammenkommt, mit derselben Last, mit demselben Glauben und mit demselben Wunsch, Ihn zu suchen.
In solchen Momenten sind wir nicht nur Menschen, die am selben Ort beten, sondern wir werden zu einer Familie, die ihre Stimme vor demselben himmlischen Vater erhebt.
Darum sollte die Frage, die wir uns stellen, nicht nur lauten: „Wo bete ich?“, sondern auch: „Bete ich nur allein, oder suche ich auch die Gemeinschaft im Gebet mit meinen Geschwistern?“
Denn Gott hat uns zu einer persönlichen Beziehung mit Ihm gerufen, aber auch dazu, die Lasten des anderen gemeinsam zu tragen und Ihn gemeinsam als Gemeinde zu suchen.
3. Das Gebet beginnt mit Gott, nicht mit dem Problem
Mami:
Nachdem Joschafat sein Angesicht darauf gerichtet hat, den Herrn zu suchen, und sich gemeinsam mit dem Volk im Haus des Herrn versammelt hat, beginnt er zu beten.
Man könnte erwarten, dass seine ersten Worte von den herannahenden Heeren handeln, von der unmittelbaren Gefahr oder von der Angst, die das Volk ergriffen hatte.
Doch sein Gebet beginnt auf eine ganz andere Weise.
Seine ersten Worte lauten:
„Herr, Gott unserer Väter, bist Du nicht Gott im Himmel? Herrschst Du nicht über alle Königreiche der Völker? In Deiner Hand sind Kraft und Macht, sodass niemand Dir widerstehen kann.“
Beachtet die Reihenfolge seines Gebets.
Joschafat beginnt weder mit den Feinden noch mit der Bedrohung oder seiner Angst.
Er beginnt mit Gott.
Bevor er über das Problem spricht, das ihn bedrückt, richtet er seinen Blick auf Den, vor den er gekommen ist.
Er erkennt Gott als den Souveränen an, als den Herrscher über alle Königreiche der Völker und als Den, in dessen Hand Kraft und Macht liegen.
Das ist eine Lektion, die jeder Gläubige lernen muss.
Oft gehen wir ins Gebet und sind so sehr mit unseren Problemen beschäftigt, dass Gott nur noch Derjenige wird, dem wir unsere Wunschliste vorlegen.
Wir sprechen viel über das, was uns belastet, und nur wenig über Den, der Macht über alle Dinge hat.
Tati:
Joschafat zeigt uns, dass wahres Gebet mit Gott beginnt und nicht mit uns selbst.
Es beginnt damit, anzuerkennen, wer Er ist.
Gott wird von nichts überrascht, was uns geschieht.
Er ist nicht begrenzt durch die Umstände, die uns überwältigen, und Er verliert niemals die Kontrolle über das, was wir nicht mehr kontrollieren können.
Erst nachdem Joschafat darüber gesprochen hat, wer Gott ist, erinnert er sich daran, was Gott in der Vergangenheit getan hat.
„Hast Du nicht die Bewohner dieses Landes vor Deinem Volk Israel vertrieben und es für immer den Nachkommen Abrahams, Deines Freundes, gegeben?“
Joschafat erinnert Gott nicht an die Vergangenheit, weil Gott Seine Taten vergessen hätte.
Gott vergisst weder Seine Verheißungen noch das, was Er für Sein Volk getan hat.
Derjenige, der diese Erinnerung brauchte, war Joschafat selbst und das Volk, das mit ihm vor dem Herrn stand.
In Zeiten der Krise wird unser Gedächtnis manchmal sehr kurz.
Die gegenwärtige Not erscheint so groß, dass wir vergessen, wie treu Gott in der Vergangenheit gewesen ist.
Wir vergessen erhörte Gebete, erfahrene Befreiungen, Seine Fürsorge und all die Momente, in denen Seine Hand uns aufgerichtet hat, als wir keinen Ausweg mehr sahen.
Darum lehrt uns das Gebet Joschafats, uns zu erinnern.
Bevor wir über das sprechen, was uns heute fehlt, sollten wir uns daran erinnern, was Gott bereits getan hat.
Bevor wir Gott sagen, wie groß unser Problem ist, sollten wir uns daran erinnern, wie groß unser Gott ist.
Der Glaube lebt nicht nur von dem, was wir erwarten, dass Gott morgen tun wird.
Er wird auch dadurch gestärkt, dass wir uns daran erinnern, was Gott bereits getan hat.
Jedes Eingreifen Gottes in der Vergangenheit wird zu einem Zeugnis Seiner Treue und zu einem Fundament, auf das wir unser Vertrauen für den heutigen Tag bauen können.
Wenn wir vergessen, was Gott gestern getan hat, erscheint die Not von heute größer, als sie wirklich ist.
Wenn wir uns aber an Seine Treue erinnern, lernen wir auch die Gegenwart mit mehr Vertrauen zu betrachten.
Der Gott, der gestern gehandelt hat, hat sich nicht verändert.
Er ist derselbe – gestern, heute und in Ewigkeit.
Das bedeutet nicht, dass das Problem sofort verschwindet.
Joschafat hatte seine Feinde immer noch vor sich.
Die Gefahr war weiterhin real.
Die Umstände hatten sich noch nicht verändert.
Doch im Gebet verändert sich, noch bevor sich die Umstände verändern, die Perspektive des Herzens.
Wer zuerst auf Gott schaut, wird anschließend auch sein Problem mit anderen Augen sehen.
Deshalb ist die Reihenfolge des Gebets so wichtig.
Joschafat beginnt nicht mit der Not, sondern mit Gott.
Er beginnt nicht mit seiner Schwachheit, sondern mit der Macht des Herrn.
Er beginnt nicht mit dem, was ihn bedroht, sondern mit Dem, der über allem regiert.
So lernen wir, dass das Gebet nicht nur der Ort ist, an dem wir Gott sagen, was uns schmerzt, sondern auch der Ort, an dem unser Herz sich daran erinnert, wer Er ist und wie treu Er bis heute gewesen ist.
4. Das Gebet stützt sich auf Gottes Verheißungen
Mami:
Nachdem Joschafat Gott als Herrn über alle Königreiche anerkannt und sich an Seine Taten erinnert hat, führt er sein Gebet auf eine wunderschöne Weise weiter.
Er spricht nicht nur über das, was er über Gott weiß, sondern erinnert sich auch an das, was Gott versprochen hat.
Die Schrift sagt:
„Wenn Unglück über uns kommt – Schwert, Gericht, Pest oder Hungersnot –, dann werden wir vor diesem Haus und vor Dir stehen, denn Dein Name ist in diesem Haus, und wir werden in unserer Not zu Dir rufen, und Du wirst hören und helfen.“
Joschafat sucht nicht nach einem Argument, um Gott zum Eingreifen zu bewegen.
Er stützt sich auf die Verheißungen, die Gott selbst Seinem Volk gegeben hatte.
Sein Gebet ist auf das gegründet, was Gott bereits gesagt hat.
Diese Wahrheit finden wir in der ganzen Heiligen Schrift.
Der Glaube versucht nicht, Gott dazu zu bringen, etwas zu tun, was Er nie versprochen hat.
Der Glaube ruht auf dem, was Gott gesagt hat, und bringt Ihm Seine eigenen Verheißungen im Gebet.
Tati:
Hier entdecken wir ein sehr wichtiges Prinzip für unser Gebetsleben.
Wahres Gebet stützt sich nicht auf unsere Gefühle, nicht auf unsere Verdienste und auch nicht auf die Schönheit unserer Worte.
Es stützt sich auf den Charakter Gottes und auf Seine Verheißungen.
Joschafat wusste sehr genau, dass der Tempel keine Kraft in sich selbst besaß.
Die Steine des Gebäudes konnten niemanden retten.
Die Kraft lag nicht in den Mauern, sondern in dem Gott, der Seinen Namen mit diesem Ort verbunden und versprochen hatte, auf das Gebet Seines Volkes zu hören.
Für uns ist es heute anders.
Wir laufen nicht mehr zu einem Tempel aus Stein, denn durch den Herrn Jesus Christus haben wir freien Zugang zum Vater.
„Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu freien Zutritt zum Allerheiligsten haben…“
Doch das Prinzip bleibt dasselbe.
Das Gebet läuft nicht ziellos umher, sondern geht dorthin, wo Gott versprochen hat zu hören.
Wir kommen nicht aufgrund unserer eigenen Würdigkeit vor Ihn, sondern aufgrund Seiner Verheißungen und des vollkommenen Werkes unseres Herrn Jesus Christus.
Mami:
Das verändert auch eine andere Frage, die wir uns oft stellen.
Die wichtigste Frage lautet nicht: „Wie groß ist mein Problem?“
Und auch nicht: „Wo befindet sich mein Problem?“
Die entscheidende Frage lautet:
„Wohin gehe ich, wenn das Problem kommt?“
Joschafat ging zu Gott.
Er lief zu Seinen Verheißungen.
Er ging an den Ort, an dem Gott Seinen Namen offenbart hatte.
Auch wir sind dazu berufen, dasselbe zu tun.
Wenn die Not an die Tür unseres Lebens klopft, sollte unser erster Weg weder zur Verzweiflung noch zu Menschen oder zu unserer eigenen Kraft führen, sondern zu Gott, im Vertrauen darauf, dass Er allen Seinen Verheißungen treu bleibt.
5. Das Gebet spricht offen über die Not
Tati:
Nachdem Joschafat Gott als Herrn über alle Königreiche anerkannt, sich an Seine Taten und an Seine Verheißungen erinnert hat, kommt das Gebet schließlich zu dem eigentlichen Grund, weshalb er vor den Herrn getreten ist.
Die Schrift sagt:
„Nun siehe, die Söhne Ammons, Moabs und die Bewohner des Gebirges Seïr ... sie kommen, um uns aus Deinem Erbteil zu vertreiben.“
Beachtet erneut die Reihenfolge.
Das Problem war bereits zu Beginn des Kapitels da. Joschafat kannte die Gefahr sehr genau.
Dennoch nimmt sie im Gebet nicht den ersten Platz ein.
Erst nachdem er über Gott gesprochen und sich an Seine Treue erinnert hat, spricht er über die Not, die ihn bedrückt.
Das lehrt uns etwas sehr Wichtiges.
Gott verlangt nicht von uns, die Realität zu ignorieren oder so zu tun, als gäbe es keinen Schmerz, keine Angst und kein Leid.
Glaube bedeutet nicht, die Augen vor den Problemen zu verschließen, sondern sie vor Gott zu bringen, nachdem unser Herz in Seiner Gegenwart zur Ruhe gekommen ist.
Beachtet auch, wie Joschafat über seine Situation spricht.
Er übertreibt nicht und versucht auch nicht, Gott mit großen Worten zu beeindrucken.
Er dramatisiert nichts und versucht nicht, Mitleid zu erwecken.
Er sagt die Dinge einfach so, wie sie sind.
Genau das ist eine der Schönheiten des echten Gebets.
Vor Gott müssen wir keine Masken tragen und keine außergewöhnlichen Worte finden.
Er kennt bereits alles, was wir durchleben.
Er kennt die Schmerzen, von denen wir niemandem erzählt haben, die Kämpfe, die wir verbergen, und die Lasten, die wir schweigend tragen.
Deshalb ist das Gebet nicht der Ort, an dem wir Gott informieren, sondern der Ort, an dem wir Ihm anvertrauen, was unser Herz belastet.
Oft fällt es uns leichter, mit Menschen über unsere Probleme zu sprechen als mit Gott.
Wir suchen Ratschläge, Erklärungen und erzählen jedem, was wir gerade durchmachen.
Joschafat zeigt uns jedoch eine andere Reihenfolge.
Nachdem er Gott gesucht und seinen Glauben gestärkt hat, indem er auf Ihn blickte, öffnet er sein Herz und spricht ehrlich über seine Not.
Dazu lädt Gott auch uns ein.
Wir müssen nichts verbergen, wir müssen nicht stärker erscheinen, als wir sind, und wir müssen auch keine perfekten Worte finden.
Gott sucht ein aufrichtiges Herz, und das Gebet ist der Ort, an dem wir dem himmlischen Vater ehrlich sagen dürfen, was wir in unserer Seele tragen.
6. Wahres Gebet erkennt die eigene Hilflosigkeit an
Mami:
Nachdem Joschafat Gott gesucht, sich gemeinsam mit dem Volk im Haus des Herrn versammelt, Ihn als den allmächtigen Gott anerkannt, sich an Seine Taten und Seine Verheißungen erinnert und offen über die Not gesprochen hat, kommt er zum Ende seines Gebets.
Man könnte erwarten, dass er nun einen Plan vorlegt, nach einer Strategie fragt oder Gott erklärt, wie Er eingreifen sollte.
Doch seine letzten Worte sind völlig anders.
Die Schrift sagt:
„Wir haben keine Kraft gegenüber dieser großen Menge, die gegen uns heranzieht, und wir wissen nicht, was wir tun sollen; aber unsere Augen sind auf Dich gerichtet.“
Dies ist eines der aufrichtigsten Gebete der ganzen Bibel.
Joschafat versucht nicht, stärker zu erscheinen, als er wirklich ist.
Er verbirgt die Wahrheit nicht und tut auch nicht so, als hätte er noch alles unter Kontrolle.
Er bekennt offen, dass seine eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen und dass er keine Lösung kennt.
Tati:
Ich glaube, genau hier liegt eines der größten Hindernisse unseres Gebetslebens.
Es fällt uns schwer zu sagen:
„Ich weiß es nicht.“
Oft versuchen wir zuerst, unsere Probleme allein zu lösen.
Wir suchen Erklärungen, entwickeln Strategien und setzen alle unsere Kräfte ein.
Erst wenn alles zusammenbricht, kommen wir zu Gott.
Joschafat macht genau das Gegenteil.
Er kommt nicht erst zu Gott, nachdem alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.
Er kommt in dem Moment, in dem er erkennt, dass die Antwort nicht in ihm selbst liegt.
Beachtet, was er nicht sagt.
Er sagt nicht: „Es gibt keine Hoffnung mehr.“
Er sagt nicht: „Alles ist verloren.“
Er sagt nicht: „Niemand kann mehr etwas tun.“
Er sagt lediglich:
„Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“
Das ist keine Erklärung der Hoffnungslosigkeit, sondern ein Bekenntnis der Demut.
Es ist der Moment, in dem der Mensch aufhört, sich auf seine eigene Weisheit zu verlassen, und beginnt, sich auf Gott zu stützen.
Doch das Gebet endet nicht hier.
Die letzten Worte verändern die gesamte Perspektive:
„...aber unsere Augen sind auf Dich gerichtet.“
Das ist wahrer Glaube.
Nicht der Glaube, der vorgibt, auf alles eine Antwort zu haben, sondern der Glaube, der weiß, auf Wen er schauen muss, wenn ihm jede Antwort fehlt.
Mami:
Ich glaube, jeder von uns kommt früher oder später an einen solchen Punkt.
Es gibt Situationen, in denen Erfahrung nicht mehr hilft, Menschen keine Antworten mehr haben und unsere eigenen Kräfte nicht ausreichen.
In solchen Momenten brauchen wir keine Angst zu haben, Gott die Wahrheit zu sagen.
Er erwartet von uns weder den Anschein eines vollkommenen Glaubens noch sorgfältig formulierte Worte.
Er sucht ein ehrliches Herz, das genauso vor Ihn kommt, wie es ist.
Manchmal ist das aufrichtigste Gebet, das ein Mensch sprechen kann, einfach dieses:
„Herr, ich weiß nicht, was ich tun soll, aber meine Augen sind auf Dich gerichtet.“
Das ist kein Gebet der Niederlage.
Es ist der Anfang echten Vertrauens.
In dem Moment, in dem der Mensch aufhört, sich auf seine eigene Weisheit zu verlassen und seinen Blick auf Gott richtet, gibt er Gott Raum zu handeln.
Die Schrift zeigt uns, dass genau darin das Wesen des wahren Gebets besteht.
Es endet nicht mit einem Plan, einer Strategie oder einer menschlichen Lösung.
Es endet mit einem Herzen, das auf Gott schaut und demütig bekennt, dass die Antwort nicht in der Kraft des Menschen liegt, sondern in der Hand des Herrn.
Wenn ein Mensch von ganzem Herzen sagen kann:
„Herr, ich weiß nicht, was ich tun soll, aber meine Augen sind auf Dich gerichtet.“
dann ist das nicht das Ende seines Glaubens, sondern der Augenblick, in dem sein Glaube beginnt, sich auf Gott und nicht mehr auf die eigene Kraft zu stützen.
Schlussgedanken
Tati:
Wenn wir das Gebet Joschafats betrachten, entdecken wir, dass Gott uns nicht nur lehrt, zu beten, sondern auch, wie wir uns Ihm nähern sollen, wenn das Leben uns vor Situationen stellt, die wir nicht kontrollieren können.
Joschafat beginnt damit, Gott zu suchen.
Dann erkennt er Ihn als Herrn über alles an.
Er erinnert sich an Gottes Taten und an Seine Verheißungen.
Er öffnet sein Herz und spricht ehrlich über seine Not.
Am Ende bekennt er, dass er nicht mehr weiß, was er tun soll.
Beim Blick auf dieses Gebet verstehen wir, dass Gott keine Menschen sucht, die immer auf alles eine Antwort haben.
Er sucht Menschen, die wissen, wohin sie gehen müssen, wenn sie selbst keine Antwort mehr haben.
Mami:
Vielleicht gehst auch du gerade durch einen Kampf, den du nicht verstehst.
Vielleicht hast du nach Antworten gesucht, Lösungen ausprobiert und alles getan, was du konntest, und dennoch spürst du, dass deine Kraft am Ende ist.
Wenn das so ist, dann denke daran:
Gott erwartet nicht, dass du mit allen Antworten vor Ihn kommst.
Er lädt dich ein, mit einem ehrlichen Herzen zu Ihm zu kommen.
Manchmal ist das schönste Gebet, das ein Gläubiger sprechen kann, weder lang noch kompliziert.
Es lautet ganz einfach:
„Herr, ich weiß nicht, was ich tun soll, aber meine Augen sind auf Dich gerichtet.“
Und vielleicht beginnt genau in diesem Augenblick alles sich zu verändern.
Nicht unbedingt deshalb, weil sich die Umstände sofort ändern, sondern weil Gott beginnt, das Herz des Menschen zu verändern, der sich entschieden hat, Ihm zu vertrauen.
Vielen Dank, dass du auch in dieser Episode wieder bei uns warst.
Bis zum nächsten Mal wünschen wir dir nur eines:
Möge die Gnade Gottes auch dich motivieren – ganz gleich, wo du bist, was du gerade erlebst und wie schwer oder schön dein Weg im Moment sein mag.
Bleib behütet, lieber Freund.
Mit viel Liebe,
Petru und Adriana von Har & Motivation.